| Heinz Nixdorf (1925-1986) | |||||||
Heinz Nixdorf entwickelte, produzierte und vertrieb nicht nur den ersten Buchungsautomaten mit elektronischer Multiplikationseinheit sondern auch den ersten elektronischen Tischrechner mit Druckwerk. Und er erkannte folgerichtig, den Computer in einem Gesamtpaket (inklusive branchenspezifischer Anwendersoftware, Serviceleistungen, Bedienerschulungen) anzubieten. Heinz Nixdorf hat mit Pioniergeist und unternehmerischem Mut eine Weltfirma aufgebaut. Er wurde aber auch durch seine vorbildliche soziale Einstellung bekannt. 1925 Heinz Nixdorf wird am 9. April als ältestes von fünf Kindern in Paderborn geboren. 1939 - 1942 Stipendiat an der Lehrer-Bildungsanstalt in Vallendar/Rhein. 1942 - 1945 Verpflichtung zum Militärdienst; erlebt das Kriegsende als Panzerjäger in Böhmen. Nach 1945 1944 fällt der Vater im 2. Weltkrieg, sodass Heinz Nixdorf nach Kriegsende wesentlich zum Unterhalt der Familie beitragen muss (z. B. durch Arbeiten in der Landwirtschaft). 1947 Holt das Abitur am Reismarm-Gymnasium in Paderborn nach. 1947 - 1952 Studium der Angewandten Physik und der Betriebswirtschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. 1951 Anstellung als Werkstudent bei Remington Rand in Frankfurt am Main. Hier lernt Heinz Nixdorf den Leiter der Entwicklungsabteilung Dr. Walter Sprick kennen und durch diesen die Entwicklung von digitalen Schaltkreisen für Multiplikatoren und Saldierwerke. 1952 Heinz Nixdorf gibt das Studium im 9. Semester auf und gründet in Essen das Labor für Impulstechnik. Hauptkunden sind das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk (RWE, Essen) und die Wanderer-Werke (Köln). Entwicklung eines Elektronenrechners auf Röhrenbasis für RWE (kommt als BULL EM 22 und später transistoriert als GAMMA 172 auf den Markt). 1959 Heinz Nixdorf eröffnet eine zweite Produktionsstätte und verlegt den Firmensitz von Essen nach Paderborn. Entwicklung des ersten Buchungsautomaten der Welt mit einer elektronischen Multiplikationseinheit (MULTITRONIC). 1960 Heinz Nixdorf prägt den Begriff „Mittlere Datentechnik" (MDT); er erkennt, dass den Großrechnern die Zukunft nicht allein gehört. Heirat mit Renate Ring. Aus der Ehe gehen drei Söhne hervor. 1961 Bau des ersten eigenen Werkgebäudes in Paderborn. 1965 Ausstellung des Kleinrechners NIXDORF 820 (welterster elektronischer Tischrechner mit Druckwerk) auf der Hannover-Messe (kommt als WANDERER LOGATRONIC auf den Markt). Mit diesem Computer wird die Wende zur dezentralen Datenverarbeitung eingeleitet. Mit dem Motto „Computer an den Arbeitsplatz", mit einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis und engen Kundenkontakt erreicht Nixdorf vor allem die Klein- und Mittelbetriebe. 1968 Kauf des Büromaschinen-Herstellers Wanderer-Werke (Köln). Zusammen mit dem Labor für Impulstechnik entsteht die NIXDORF COMPUTER AG mit Sitz in Paderborn. In den Folgejahren Ausbau des Unternehmens zu einem weltweit führenden Hersteller von Computern der „Nixdorf-Klasse". Bietet branchenspezifische komplexe Systemlösungen (z. B. für Handel, Banken, Automobilindustrie) an. 1970 Staatliche Anerkennung der werkseigenen Berufsschule. 1972 Heinz Nixdorf initiiert in Paderborn die Gründung des Bildungszentrums für informationsverarbeitende Berufe (b.i.b.) als gemeinnützigen Verein (noch heute erfolgreich tätig). Unter dem Dach des b.i.b. entsteht auch bald die Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW). 1974
Bau eines neuen Produktionswerkes in Paderborn. 1977 Der Umsatz der NIXDORF COMPUTER AG übersteigt 1 Milliarde DM. Auszeichnung mit dem Deutschen Marketing-Preis. 1983 Heinz Nixdorf wird als erster Unternehmer mit der Ludwig-Erhard-Medaille für Verdienste um die soziale Marktwirtschaft geehrt. 1985 Zur NIXDORF COMPUTER AG gehören Werke in 44 Ländern mit 23 300 Beschäftigten. Der Umsatz steigt auf über 4 Milliarden DM. Heinz Nixdorf wird vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes für Verdienste um die Entwicklung der Informatik mit der Konrad-Zuse-Medaille ausgezeichnet.
1986 Heinz Nixdorf stirbt unerwartet am 17. März in Hannover. 1987 Gründung des Heinz-Nixdorf-Institutes (HNI) an der Universität Paderborn als eine der größten Forschungseinrichtungen für Informatik in Deutschland. 1988 Die NIXDORF COMPUTER AG gerät in die Krise. Hohe Verluste zwingen zur Suche nach einem finanzkräftigen Partner. 1990 Am 1. Oktober Zusammenschluss der NIXDORF COMPUTER AG mit der Computersparte von Siemens zur Siemens Nixdorf Informationssysteme AG (SNI). 1992 Die Siemens AG erhöht ihren Anteil an der SNI auf 100 % und gliedert diese in die Siemens AG ein. 1996 Eröffnung des Heinz Nixdorf MuseumsForums (HNF) in Paderborn als weltweit größtes Computermuseum. (Der Computer - Mein Lebenswerk. Springer-Verlag. 3. unveränd. Auflage, 1993, S. 127)
Zusammengestellt auf der Grundlage von Publikationen, die vom HNF zu Verfügung gestellt worden sind. Dr. phil. habil. Ursula Spranger-Göhler und Dipl.-Math. Bernhard Göhler, Dresden (17.10.2005) |
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