Heinz Nixdorf (1925-1986)


Biographie und Unternehmensgeschichte


Kein Name wird so nachhaltig mit dem Aufbau der deutschen Computerindustrie verbunden wie der von Heinz Nixdorf. Dieser hat als Konstrukteur und Unternehmer die Entwicklung und Vermarktung von Computern insofern richtungsweisend beeinflusst, als er weltweit zum Wegbereiter der dezentralen Datenverarbeitung wurde.

Heinz Nixdorf entwickelte, produzierte und vertrieb nicht nur den ersten Buchungsautomaten mit elektronischer Multiplikationseinheit sondern auch den ersten elektronischen Tischrechner mit Druckwerk. Und er erkannte folgerichtig, den Computer in einem Gesamtpaket (inklusive branchenspezifischer Anwendersoftware, Serviceleistungen, Bedienerschulungen) anzubieten.

Heinz Nixdorf hat mit Pioniergeist und unternehmerischem Mut eine Weltfirma aufgebaut. Er wurde aber auch durch seine vorbildliche soziale Einstellung bekannt.

1925

Heinz Nixdorf wird am 9. April als ältestes von fünf Kindern in Paderborn geboren.

1931 - 1939
Besuch der Katholischen Volksschule in Paderborn. Bereits in dieser Zeit zeigen sich Begabung und Interesse für Mathematik und Naturwissenschaften. Doch für einen Wechsel an das Gymnasium fehlt der Familie das Geld.

1939 - 1942

Stipendiat an der Lehrer-Bildungsanstalt in Vallendar/Rhein.

1942 - 1945

Verpflichtung zum Militärdienst; erlebt das Kriegsende als Panzerjäger in Böhmen.

Nach 1945

1944 fällt der Vater im 2. Weltkrieg, sodass Heinz Nixdorf nach Kriegsende wesentlich zum Unterhalt der Familie beitragen muss (z. B. durch Arbeiten in der Landwirtschaft).

1947

Holt das Abitur am Reismarm-Gymnasium in Paderborn nach.

1947 - 1952

Studium der Angewandten Physik und der Betriebswirtschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main.

1951

Anstellung als Werkstudent bei Remington Rand in Frankfurt am Main. Hier lernt Heinz Nixdorf den Leiter der Entwicklungsabteilung Dr. Walter Sprick kennen und durch diesen die Entwicklung von digitalen Schaltkreisen für Multiplikatoren und Saldierwerke.

1952

Heinz Nixdorf gibt das Studium im 9. Semester auf und gründet in Essen das Labor für Impulstechnik. Hauptkunden sind das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk (RWE, Essen) und die Wanderer-Werke (Köln).

Entwicklung eines Elektronenrechners auf Röhrenbasis für RWE (kommt als BULL EM 22 und später transistoriert als GAMMA 172 auf den Markt).

1959

Heinz Nixdorf eröffnet eine zweite Produktionsstätte und verlegt den Firmensitz von Essen nach Paderborn.

Entwicklung des ersten Buchungsautomaten der Welt mit einer elektronischen Multiplikationseinheit (MULTITRONIC).

1960

Heinz Nixdorf prägt den Begriff „Mittlere Datentechnik" (MDT); er erkennt, dass den Großrechnern die Zukunft nicht allein gehört.

Heirat mit Renate Ring. Aus der Ehe gehen drei Söhne hervor.

1961

Bau des ersten eigenen Werkgebäudes in Paderborn.

1965

Ausstellung des Kleinrechners NIXDORF 820 (welterster elektronischer Tischrechner mit Druckwerk) auf der Hannover-Messe (kommt als WANDERER LOGATRONIC auf den Markt). Mit diesem Computer wird die Wende zur dezentralen Datenverarbeitung eingeleitet. Mit dem Motto „Computer an den Arbeitsplatz", mit einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis und engen Kundenkontakt erreicht Nixdorf vor allem die Klein- und Mittelbetriebe.

1968

Kauf des Büromaschinen-Herstellers Wanderer-Werke (Köln). Zusammen mit dem Labor für Impulstechnik entsteht die NIXDORF COMPUTER AG mit Sitz in Paderborn.

In den Folgejahren Ausbau des Unternehmens zu einem weltweit führenden Hersteller von Computern der „Nixdorf-Klasse". Bietet branchenspezifische komplexe Systemlösungen (z. B. für Handel, Banken, Automobilindustrie) an.

1970

Staatliche Anerkennung der werkseigenen Berufsschule.

1972

Heinz Nixdorf initiiert in Paderborn die Gründung des Bildungszentrums für informationsverarbeitende Berufe (b.i.b.) als gemeinnützigen Verein (noch heute erfolgreich tätig). Unter dem Dach des b.i.b. entsteht auch bald die Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW).

1974

Bau eines neuen Produktionswerkes in Paderborn.

1977

Der Umsatz der NIXDORF COMPUTER AG übersteigt 1 Milliarde DM.

Auszeichnung mit dem Deutschen Marketing-Preis.

1983

Heinz Nixdorf wird als erster Unternehmer mit der Ludwig-Erhard-Medaille für Verdienste um die soziale Marktwirtschaft geehrt.

1985

Zur NIXDORF COMPUTER AG gehören Werke in 44 Ländern mit 23 300 Beschäftigten. Der Umsatz steigt auf über 4 Milliarden DM.

Heinz Nixdorf wird vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes für Verdienste um die Entwicklung der Informatik mit der Konrad-Zuse-Medaille ausgezeichnet.

Heinz Nixdorf errichtet zwei gemeinnützige Stiftungen:
Friedrich von Spee-Stiftung (später Heinz-Nixdorf-Stiftung)
Stiftung Westfalen

1986

Heinz Nixdorf stirbt unerwartet am 17. März in Hannover.

1987

Gründung des Heinz-Nixdorf-Institutes (HNI) an der Universität Paderborn als eine der größten Forschungseinrichtungen für Informatik in Deutschland.

1988

Die NIXDORF COMPUTER AG gerät in die Krise. Hohe Verluste zwingen zur Suche nach einem finanzkräftigen Partner.

1990

Am 1. Oktober Zusammenschluss der NIXDORF COMPUTER AG mit der Computersparte von Siemens zur Siemens Nixdorf Informationssysteme AG (SNI).

1992

Die Siemens AG erhöht ihren Anteil an der SNI auf 100 % und gliedert diese in die Siemens AG ein.

1996

Eröffnung des Heinz Nixdorf MuseumsForums (HNF) in Paderborn als weltweit größtes Computermuseum.

Kreidezeichnung von Konrad Zuse

Konrad Zuse schreibt später in seinen Erinnerungen: „Was Nixdorf angeht, so weiß ich heute, daß er in mancher Hinsicht das erreicht hat, was mir nicht gelungen ist, nämlich aus kleinen Anfängen eine leistungsfähige deutsche Computerfirma aufzubauen. Er hat dafür meine volle Bewunderung."

(Der Computer - Mein Lebenswerk. Springer-Verlag. 3. unveränd. Auflage, 1993, S. 127)






Ausstellung im Konrad-Zuse-Computermuseum Hoyerswerda

Im Konrad-Zuse-Computermuseum ist eine Ausstellung zu besichtigen, die an den Begründer der Computertechnik, Heinz Nixdorf, erinnern soll. Zu besichtigen gibt es viele Kleinrechner aus der Nixdorf Geschichte.



  

Zusammengestellt auf der Grundlage von Publikationen, die vom HNF zu Verfügung gestellt worden sind. Dr. phil. habil. Ursula Spranger-Göhler und Dipl.-Math. Bernhard Göhler, Dresden (17.10.2005)


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